



Eine besondere Ehre für des Pflegezentrum Sonnenallee. Die japanische Delegation
aus Saza zu Besuch im PzS.
Bürgermeister Keiichiro Kiyohara aus Saza, einer zu Nagasaki gehörenden Kommune, ist verärgert. Im April wurde in Japan ein System der Pflegeversicherung eingerührt. Ab dem 40. Lebensjahr soll jeder Bürger für den Fall der Pflegebedürftigkeit im Alter monatlich 3000 Yen, das entspricht etwa 60 Mark, in die Pflegekasse einzahlen. Aber die wenigsten halten sich daran, so dass das ganze Unternehmen schon in der Einführungsphase zu scheitern droht. Zu sehr widersprechen die Traditionen des Landes der Vorstellung, Familienmitglieder der Pflege in öffentlichen Heimen anzuvertrauen.
Da aber Japan noch weniger als Deutschland um die demografische Entwicklung in den Industrieländern herumkommt, war ihm dies Grund, eine Delegation von 17 Kommunalpolitikern zusammenzustellen, die sich in Deutschland umschauen soll, wie ein solches System funktioniert. Der Delegation gehörten hochrangige Kommunalpolitiker wie der Stadtplanungsdirektor und der Gebietschef der nationalen Krankenversicherungen in Nagasaki an.
Die Auswahl der zu besuchenden Einrichtungen wurde über das Internet recherchiert - und dabei fielen die Seiten des Neuköllner "Pflegezentrums Sonnenallee" auf. Neben den über den Bildschirm vermittelten attraktiven Bildern und Angeboten gefiel den Japanern die Idee, pflegebedürftige Senioren in ihrem angestammten Kiez, in ihrer vertrauten Umgebung zu betreuen. Dies kommt zum einen der japanischen Mentalität der familiären Nähe entgegen und zeigt andererseits, wie wichtig es sein kann, auch lokale Angebote über das Internet weltweit zu offerieren.
"Qualifizierte Pflege im Kiez" - das war die Grundidee des Krankenheimes in der
Sonnenallee, als es sich 1980 als Privatunternehmen für das damalige Berliner
Modell der Krankenheime engagierte. Dies war ein erster Versuch, die Krankenkassen
von den wachsenden Pflegekosten zu entlasten. Das Modell war für Patienten gedacht,
deren Gesundheitszustand einen Krankenhausaufenthalt nicht rechtfertigte, die aber
nicht mehr ohne ständige Betreuung auskommen können. Für sie wurde ein Typ der
Altenpflege zwischen Pflegeheim und Krankenhaus - das Krankenheim - geschaffen.
Damit entstand eine Einrichtung, die unter der Mitwirkung von Ärzten, Therapeuten
und besonders qualifiziertem Pflegepersonal Senioren bei Bewahrung einer
höchstmöglichen Selbstständigkeit betreut.
Mit der Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes 1996 führte Berlin sein "Modell
2002" unter den neuen Bedingungen weiter. Aus dem Krankenheim in der Sonnenallee
wurde ein Pflegezentrum, die Idee der qualifizierten kieznahen Betreuung, die Ärzte,
Therapeuten und das Pflegepersonal blieben. Den Erfordernissen einer zeitgemäßen
Pflegeeinrichtung wurde mit hohen Investitionen in einen Neubau und mit
hochmoderner Ausstattung Rechnung getragen. Davon überzeugten sich die japanischen
Gäste bei ihrem Rundgang. Interessiert hielten sie die modernen Bäder, Wohnküchen,
Zimmer und Gemeinschaftsräume auf Zelluloid fest.
Bei der umfassenden Sanierung des "Pflegezentrums Sonnenallee" wurde die vertraute
rote Fabrikfassade der hinteren Gebäudeteile erhalten. Aus dem einstigen Hinterhof
wurde ein großer Garten mit grüner Freifläche. An der Vorderfront entstand ein
Neubau, der sich an dem ursprünglichen Gebäude von 1911 orientiert. Dort befindet
sich auch die Cafeteria, der ein Aquarium und ein im Stile Monets gestaltetes
Wandgemälde die Atmosphäre eines Salons geben. Hier stellte der Geschäftsführer
Thomas Peters den Gästen die Konzeption seines Pflegezentrums vor und stellte sich
ihren Fragen.
Im Mittelpunkt der Leistungen stehe die reaktivierende Pflege, erläuterte er. Es
gelte, den Bewohnern ein Höchstmaß an Selbstständigkeit zu gewährleisten. Freunde
und Verwandte sollen wie gewohnt zu Besuch kommen können. Ein zusätzliches Angebot
bestehe in der Urlaubs- und Verhindertenpflege, d. h. es kann auch für einen
begrenzten Zeitraum das Plegeangebot in Anspruch genommen werden, wenn die
pflegenden Angehörigen im Urlaub oder selbst erkrankt sind. "Der überwiegende Teil
der Bewohner stammt aus Kreuzberg und Neukölln", erzählt Peters.
Der Hofgarten, in dem regelmäßig Veranstaltungen wie Konzertabende und Sommerfeste stattfinden, sei ein beliebter Treffpunkt geworden. Jede Woche unternehmen die Bewohner mit dem hauseigenen Bus Ausflüge. Bürgermeister Kiyohara ist von der Sauberkeit, der Helligkeit und der geschmackvollen Einrichtung der Zimmer und von der Freundlichkeit der Mitarbeiter beeindruckt: "Dieses Pflegezentrum unterscheidet sich grundsätzlich von den Altersheimen in Japan, die zumeist von karitativen Organisationen gerührt werden." Deshalb war das Erstaunen der Gäste groß, als sie erfuhren, dass dieses Haus rein privat geführt wird. Mit herzlichem Beifall nahmen sie abschließend "den Wunsch der Bewohner entgegen, dass ihnen ein langes Leben bei Gesundheit beschieden sein möge. FW
Mitglied im Verband der
Privatkrankenanstalten
Berlin-Brandenburg e.V.
VPK
PzS